Die sinnlose Suche nach dem Sinn

Habt ihr den Film „Arrival“ gesehen? Im Kino. Falls nicht: Machen. Endlich wieder etwas Tiefgang im Kinosaal. Ein Film, der zum Nachdenken anregt und mich eher ruhig und nachdenklich aus dem Kino schleichen ließ, ohne, wie sonst gerne mal üblich, direkt mit der Begleitung über den Film plaudern zu wollen.

Der Film macht nachdenklich. Vor allem mich. Befeuert er doch eines meiner integralen Probleme in diesem Leben. Die Suche nach dem Sinn.

Was hat nun also dieser „Alienfilm“ mit meiner Suche nach Sinn zu tun? Nun denn.

Eine der elementaren Aussagen des Films ist das explizite Herausarbeiten der Relativität von Dingen/Gegebenheiten. Dingen, die für uns, den Menschen, als „normal“ erachtet werden – und zwar massiv-fundamental-„normal“ – so unglaublich unerschütterlich normal, dass sie zu Naturgesetzen erklärt wurden und als Basis für unser aller Menschen Leben darstellt werden.

Hier im Film geht’s ganz konkret um das Thema „Zeit“ bzw. „Zeitempfinden“ und der im Film aufgestellten These, dass das menschliche Zeitempfinden (auf das ich, welch Zufall, in einem vorherigen Blogeintrag schon einmal einging) eine höchst subjektive Angelegenheit ist und nicht zwingend universumsübergreifend gelten muss. Sprich: Eventuelle Nicht-Menschen (hier: Aliens) können „Zeit“ möglicherweise anders Wahrnehmen bzw. es gibt die klassische „Zeit“ überhaupt nicht in ihrem Bewusstseinsraum. Das typisch menschliche sequentielle Denken, die Aneinanderreihung von Erinnerungsfetzen („Bilder“) könnte eine exklusive Sache sein, die für andere Lebensformen vielleicht garnicht zutrifft. Aliens z.B. könnten in der Lage sein, alles gleichzeitig zu sehen, also alle „Zeitabschnitte“ gleichzeitig zu erfassen und zu verarbeiten, quasi die Linearität unseres Zeitempfindens zu ignorieren bzw. einfach „darüber zu stehen“.

Das für sich ist hübsche Science Fiction, sehr spannend und „witzig“, aber ist man ein Themensezierer, ein Tiefdenker, ein Suchender (so wie ich), fängt man an mit diesem Szenario zu spielen. Es wird (erneut und wiederholt) klar, dass, egal was wir hier als Menschen sehen, hören, fühlen, riechen – es ist alles ein Produkt unserer Sinne bzw. der vom Gehirn verarbeiteten Informationen, die von den Sinnesorganen zur Verfügung gestellt werden. Mehr nicht. Es ist also alles höchst subjektiv und „mensch-spezifisch“. Und da es „mensch-spezifisch“ ist kann es auch nicht „allgemeingültig-objektiv“ sein, denn es gibt ja noch andere Lebewesen da draussen. Beispiel? Wie wäre es mit dem Hund.

Der Hund  hört „viel besser“ als der Mensch. Was heisst nun „besser“? Nun, sein Frequenzspektrum deckt ein paar mehr Hertz ab als es der Mensch auf die Reihe bekommt. Beim Menschen spricht man von einer maximalen Wahrnehmung in der Spanne 20-20.000 Hertz. Ein Hund kann theoretisch irgendetwas bei 15-50.000 Hertz wahrnehmen. D.h. der Mensch bekommt überhaupt nicht mit, was sich im Bereich 20.000-50.000 Hertz so abspielt. Immer. Überall. Tag ein, Tag aus. Der Wahnsinn. Was  entgeht uns da allen? Vermutlich so einiges, also müsste der „objektiv vollständige“ Hörbereich doch zumindest bis 50.000 Hertz gehen um „korrekt“ zu sein. Aber was ist mit anderen Tieren? Insekten? Vögeln? Wale? Aliens? Wie hören die und was muss da noch „oben drauf“ gepackt werden um „objektiv“ von „vollständiger Hörbereich“ zu sprechen? Keine Ahnung.

Und das ist genau das Problem.

Objektivität zu definieren ist nicht möglich da wir nicht alle Varianten kennen. Und selbst wenn wir sie „kennen“ (also von uns als vollständig erachten) würden so wäre eine objektive Betrachtung absurd, denn sie würde auf Basis unserer menschlicher, limitierter Sinnesmöglichkeiten geschehen, die, per definition, nicht vollumfassend genug sind um etwas zu beschreiben, das ausserhalb ihrer Spanne liegt. Klar, oder wie soll man einen 30.000 Hertz Ton beschreiben? Und das ist auch nur das Beispiel für Töne=Ohr=Hören. Was ist mit den Augen? Der Nase?

Und jetzt spinnen wir das ganze mal weiter und übertragen es auf geistige Vorgänge. Auf Konzepte, die aus Erfahrung beruhen, die wiederum aus Eindrücken entstanden sind, die menschen-limitierten Sinnen entsprungen sind. Wie können diese Konzepte „richtig“ sein wenn wir sie auf Basis von limitierten Ergebnisräumen erzeugen? Können sie nicht. Es sind Modelle. Mensch-gerechte Modelle – und werden doch trotzdem von 99.9482% der Menschen (geschätzt) als „normal“ angesehen und blind akzeptiert. Das ist falsch – und dumm/unreflektiert. Aber „normal“. Sigh.

Und was hat das nun alles mit meiner Sinnsuche zu tun? Ganz einfach.

Die Suche nach einem (universellen) Sinn ist nicht möglich da wir uns in einem eingeschränkten Möglichkeitenraum („den menschlichen Möglichkeiten“) befinden. Wir können nichts „universell“ herausfinden oder gar definieren. Und da ich die Suche nach einem „Sinn“ immer als ein „übermenschliches“ Thema – also als ein Thema, dass größer ist als der Mensch – betrachtet habe, ist es per se gar nicht möglich, als Individuum der menschlichen Spezies dieses Rätsel zu lösen.

Es ist wie das Denkspiel mit einem mehrdimensionalen Bild. Nehmen wir an, wir würden in einer zweidimensionalen Welt leben. Dann gäbes nur zwei Achsen – X und Y. Wir wären also „flach“, da es keine Z-Achse, die Tiefe, gäbe. Und selbst wenn irgendein wahnsinniger Wissenschaftler dieser Flachwelt auf die Idee käme, dass eine Z-Achse theoretisch möglich wäre (und damit eine un-flache Welt), so würde er es nie beweisen können, da diese Achse nunmal nicht in dem Möglichkeitenraum (definiert durch die Sinnesorgane der Flachmenschen, also der „Realität“) vorkommt. Die Flachheit der Welt ist dort ein Naturgesetz und „normal“.

D.h. das maximale, was für mich möglich ist, wäre die Suche nach einem „menschlichen Sinn“, d.h. einem Sinn, der sich in diesem begrenzten Möglichkeitsraum befindet. Und dummerweise macht das meiner Meinung nach keinen Sinn, da ich weiß, dass dieser Möglichkeitsraum massiv beschränkt und nicht „objektiv“ ist. Also nichts, was für mich Allgemeingültigkeit hätte – und damit wird das ganze Spiel uninteressant. Eine Lösung kann nur ausserhalb der „normalen“ Sinneswahrnehmungen der Menschen gefunden werden – also mittels Umgehens der Sinneslimitierung. Und das ist dann auch genau das, was all die Hokuspokus-Schamanen-Hexer-Drogenmixer-Okkultisten-Geistesbeschwörer seit Jahrtausenden tun. Sie versuchen aus dem Käfig der limitierten Sinnesfunktionalitäten auszubrechen um die objektive Wahrheit – und vielleicht sogar den allgemeingültigen „Sinn“ – zu finden.

 

Ich für meinen Teil habe ich keine Ahnung, wie ich das anstellen soll. Und bis ich das nicht herausgefunden habe ist es sinnlos nach dem Sinn zu suchen. Bis dahin bin ich limitiert auf das, was mir meine Sinne an Informationen bereit stellen. Und das ist nunmal nicht besonders viel – wenn man es z.B. mit Aliens vergleicht, die fundamentale Mensch-Konzepte wie „Zeit“ komplett anders sehen. Und wer weiß, wie es unseren tierischen Freunden so geht. Ob ein Hund „Zeit“ empfindet? Was denkt die Katze darüber? Denken die überhaupt?

Alles ist so unklar, so diffus, unbewiesen und basiert auf Thesen, Modellen und noch mehr Thesen. Ich persönlich finde das unbefriedigend und ich freue mich auf den Tag, an dem irgendwer mit Lobby (Wissenschaftler XYZ) dem Rest der Menschheit „beweist“, dass das alles hier eine riesige Blase ist, ein Witz, ein Computerspiel, die Matrix oder ein endloser Traum, geträumt von 8 Meter großen Riesen mit nur einem Auge auf der Stirn. Das wäre geil. Der Beweis, dass das Leben doch nicht so profan, dumm und biologisch/instinktgesteuert ist wie man glaubt.

Gruß vom Themensezierer

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