Musik => Fokus

Ich habe nachgedacht. Irgendwie war Musik immer ein Thema in meinem Leben und so lange ich mich zurück erinnern kann, war Musik immer meine „Droge“, die mir erlaubte, fokussiert Höchstleistungen zu erbringen.

WTF?

Konzentration. Der Weg zum maximalem Durchsatz. Ohne Konzentration geht gar nichts. Du kannst ein Genie sein, aber ohne Konzentration springen Deine Gedanken einfach nur umher wie ein wild gewordener Flummi. Eine Konzentration auf „ein Thema“ ist essentiell für die Erreichung eines Ziels („Erfolg“) und war für mich – rückwirkend betrachtet – schon immer ein Problem gewesen.

Meine Gedanken sind nie länger als ein paar Sekunden/Minuten fokussiert. Mein Geist scheint immer unglaublich schnell die Lust an Thema X zu verlieren und muss dann ganz schnell und automatisch zu Thema Y  wechseln. Es gibt Tage, da springe ich zwischen 100 Themen hin und her weil ich einfach blind meinem Geist folge. Ich würde dann gerne 15 Bücher gleichzeitig lesen weil ich sie alle interessant finde. Die Bilanz, der Durchsatz,  des Tages ist dann, natürlich, eher „gar nichts“. Klar.

Aber tatsächlich, und es funktioniert wirklich, ändert sich ALLES wenn ich Musik in’s Spiel bringe. Sobald ich mir Kopfhörer aufsetze und mich von der Außenwelt abschotte, kann ich laserscharfe Konzentration aufbauen. Auf einmal wird alles ganz leicht. Die Gedanken fließen nur noch in die eine, in die gewollte Richtung und ich hacke schneller auf die Notebook-Tastatur ein als ich es bewusst für möglich halten würde. Die Dinge fangen an, „automatisch“ zu werden – es „fließt“ einfach und ich arbeite „intuitiv“.

Natürlich frage ich mich, wieso das so ist. Wieso habe ich seit gefühlten drei Jahrzehnten so oft es geht Kopfhörer auf meinem Kopf um ständig und überall jegliche Art der Musik in mich aufzusaugen. Hier meine eigene Theorie (keine Ahnung, ob die wissenschaftlich nachvollziehbar ist):

Meine Sinne sind ein Stück weit „wild“. Sie funken mächtig, autark, sie sind hyperaktiv. Jeder Mist „um mich herum“ wird registriert und bringt mein Gehirn, dass nun verdammt nochmal alle Sinneseindrücke ordnen muss, in eine Stress-Situation. Statt intuitiv zu arbeiten, ist mein Hirn also damit beschäftigt, Sinneseindrücke zu sondieren und zu bewerten (und zuletzt natürlich auch drauf zu reagieren). Mein Hirn ist „beschäftigt“. Busy. Ausgelastet. Nicht zu sprechen. Unabkömmlich.

Jetzt kommt Trick 17. Wir gewichten eines der Sinne massiv höher als die anderen, d.h. wir erhöhen die Stimulation auf eines der Sinne – in diesem Fall den Hörsinn. Wir ziehen uns Musik rein. Musik die uns nicht stresst sondern die sich implizit gut anhört (das ist je nach Erfahrung=Konditionierung je nach Mensch vermutlich unterschiedlich). Und indem wir einen Sinn höher auslasten, fahren die anderen Sinne automatisch zurück und geraten in den Hintergrund.

Und nun wird alles klar – das Gehirn hat jetzt weniger Arbeit. Weniger Kontextwechsel. Es kümmert sich (für uns irgendwann unterbewusst werdend) primär um’s Hören, um’s Verarbeiten der Musik. Die Prio liegt auf EINEM Sinn und nicht auf ALLEN, Harakiri-laufenden Sinnen.

Es wird jetzt alles einfach und „clean“. Und die Formel lautet „einfach = weniger Stress“. Und weniger Stress macht „Raum“ für „anderes“. Und Inuition ist für mich nichts anderes als „das große Andere“, also alles, was nicht definiert ist. Alles das, was übrigt bleibt, wenn wir das offensichtliche, das elektrische, das biologische, abziehen. Das ist das intuitive, das unerklärliche, das automatische, das unglaublich schnelle/effektive/effiziente = Großartige (-> das Erstrebenswerte).

Ich habe dieses Muster als für mich allgemeingültig erkannt. Wenn immer ich „Gas geben“ möchte (also meinen Fokus forcieren), setze ich mir Kopfhörer auf und schalte alle anderen Sinne auf Prio B. Das funktioniert. Jedes Mal. Zuverlässig.

Habt ihr den Film „The Social Network“ gesehen? Der Facebook Film? Da gibt’s ne Szene, wo einer der Programmierer einen Kopfhörer aufhat und „im Tunnel“ ist. Er ist geistig weggetreten und nur noch auf seine Sache fokussiert und hackt auf die Tasten wie ein Beserker, ohne große Regung in seinem Gesicht zu zeigen. Abgeschottet von der Außenwelt.

Das ist EXAKT das was ich meine. Diesen Tunnel erreicht man nur durch maximale Konzentration. Und wenn deine Sinne im Hyperpursuitmodus laufen so hilft Musik, um dich (bzw. mich) zu fokussieren. Und ein starker Fokus führt zu Höchstleistungen. Überall zu beobachten und irgendwie auch objektiv faszinierend. Aber auch logisch. Klar.

Gibt’s übrigens auch in anderen kreativen Bereichen. Zum Beispiel der Musikproduktion (ja, ist auch ein Thema von mir). Der Moment, wo man nicht mehr hört, wenn einem die Lebenspartnerin ruft. Wenn auf einmal 4 Stunden Zeit vergangen sind ohne dass man weiß, wieso. Wenn die Zeit „fliegt“ – dann ist man im Tunnel, „in the zone“, auf Autopilot – da entstehen große Dinge, da ist die Intuition am Steuer und navigiert ohne das Bewusstsein zu fragen. Die Intuition hat den Flieger gekapert, entführt, und zieht nun ihr Ding durch. Es „flutscht“. Es entsteht „automatisch“. Magie. Zauber. Besessenheit.

Ich für meinen Teil kann hohe Konzentration wie gesagt mittels unterbewusster Stimultation des Hörsinns, mittels „in’s Spiel bringen“ von Musik, Töne, triggern. Kopfhörer auf -> es kann los gehen. Dann kann ich konzentriert jedes Ding angehen – selbst wenn es (für mich) langweilig sind. Kommt im Job schon auch mal vor 😉

Sollte das hier jemand mitlesen: Schreibt mir doch, wie es euch geht. Könnt ihr z.B. besser Texten/Programmieren/Hacken mit Musik auf den Ohren? Und falls ja, wieso glaubt ihr, ist das so? Habt ihr Schwierigkeiten, ohne Musik auf den Ohren, die Konzentation aufrecht zu halten? Ist es egal, welche Musik läuft?

Grüße vom Themensezierer

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