Eine Leere in mir…

Ich fühle mich leer. 

Das ist grundsätzlich sowieso immer irgendwie „ein bißchen so“, heute aber ganz besonders. Ich fühle mich wie ein toter Fisch im Meer. Bäuchlings an der Oberfläche treibend, von den Wellen langsam von A nach B und dann weiter zu C und D getragen. Es macht einfach keinen Spaß, so wie es gerade ist.

Was ist nur los?

Tagtäglich wird mir in nächster Nähe präsentiert, dass das Konzept „Moral“ nicht mehr wirklich die allgemeingültige Relevanz zu haben scheint, wie ich es erwarten würde. Es passieren Dinge, die offensichtlich gemein, falsch und verboten sind. Die generelle Reaktion scheint aber immer mehr ein Achselzucken und ein „ist halt so“ zu sein. Diebstahl, Betrug, Belästigung, Bedrohung, Einbrüche – alles „ganz normal“ geworden und kaum noch mehr wert, als ein kurzer Smalltalk und einen Eintrag in irgendeiner sinnlosen (da folgenlosen) Statistik. Ja spinnt ihr denn alle?

Auch scheint es mit dem persönlichen Idealismus nicht mehr weit her. Idealismus scheint mir mittlerweile nur noch eine Messgröße zu sein, die besagt, ab welchem Jahresgehalt der gemeine Mitarbeiter aufhört, zu strampeln und ab dann nur noch still und gefolgsam ist und jede unsinnige Anweisung brav befolgt. Wie oft ich das schon gehört habe. „Ja, ist murks aber ist halt auch gut bezahlt“. Wie kann man materiellen Wohlstand höher setzen als seine eigenen Werte und sich trotzdem jeden Morgen beim Zähneputzen lächelnd im Spiegel betrachten?

Mir gefällt die kurze, knappe Google-Definition des Wortes „Idealismus“.

Ide·a·lịs·mus

Substantiv [der]

Eine Weltanschauung, die großen Wert auf Ideale (und deren Verwirklichung) legt und diese höher schätzt als materielle Werte.„Harte Arbeit und wenig Bezahlung: Zu einer solchen Tätigkeit gehört viel Idealismus.“

 

Schöne Sache.

Mir scheint nur, als werden all „die Guten“ da draussen, die, die gerne mal rebellieren und ihre (gute!) Meinung vertreten, systematisch einfach irgendwann „gekauft“. Einkassiert. Ruhig gestellt. In Watte gepackt. Bestochen. Nennt es, wie ihr wollt. Und da Geld heuzutage ja im Überfluss vorhanden zu sein scheint (leider nur nicht da, wo es wirklich wichtig wäre), werden mittlerweile komplette Branchen „gekauft“. Schön zu beobachten aktuell z.B. im Deutschen Profifußball. Es gibt kaum noch „echte Typen“, also idealistische Abrißbirnen, die ihr Ding durchziehen und kündigen, wenn’s ihnen „zu blöd“ wird. Kein Spieler scheint eigenständig und „haut auch mal auf den Putz“, z.B. vor laufender TV-Kamera. Das ist alles nur noch weichgespült – und das zumeist mit Geldmitteln („Ich hab hier einen super Vertrag, da halte ich besser mal die Klappe – wer weiß, ob ich woanders so viel Geld bekommen würde“).

Diese oberflächliche, gefühlt-korrupte, gleichgeschaltete und weichgespülte Athmosphäre erlebe ich überall – in eigentlich jeder Firma, in der projektmäßig aktiv bin. Kaum einer traut sich und sagt vor der versammelten Mannschaft, dass die hier gerade beschlossene Option A offensichtlicher Blödsinn ist und dass Option B cleverer wäre. Diese Information fließt später dann aber trotzdem – allerdings im Geheimen. Denn sehr gerne öffnen sich interne Mitarbeiter externen Mitarbeitern (z.B. mir)  gegenüber und berichten ihnen, dass sie „die Schnauze voll haben“ und dass sie „das hier mitnehmen so lange es geht und parallel aber nach etwas anderem schauen“. Und dadurch, dass die Dinge nicht offen ausgesprochen werden, ändert sich auch nichts. Schuld sind „die da oben“. „Da könne man ja nichts machen“. Daher bleibt alles so wie es ist. Täglich werden die gleichen Probleme durchgekaut statt sich einmal, hoch fokussiert, an die Kernursachen zu machen und sie „abzustellen“. Aber klar, „es bringt ja nichts, etwas zu sagen – es hört ja eh keiner zu“. Idealismus sieht für mich anders aus. Alles nur bla bla.

In dieser meiner Welt also, in der Moral und Idealismus im stetigen Sinkflug zu sein scheinen, komme ich nun mit meinen eingebrannten/in-mich-hinein-tätowierten ultrahohen Maßstäben daher – und die passen, wenn man es nüchtern betrachtet, irgendwie so gar nicht. Schon gar nicht in Beratungsprojekten. Mein stetiges Daraufhinwirken auf kritisches Hinterfragen des „Status Quo“ wird ab einer bestimmten Vehemenz immer und jedes Mal automatisch als „Majestätsbeleidigung“ bewertet – mit entsprechenden Auswirkungen auf mein Verhältnis zu dem „Arm, der mich füttert“. History repeating. Das nächste verlässliche Muster.

Ich werde meine moralische und idealistischen Grundsätze aber nicht ändern und ich werde auch niemals aufhören, die offensichtliche, durch Beobachtung leicht ermittelbare Wahrheit analytisch und akribisch aufzudecken und objektiv, unemotional und für jedermann verständlich aufzubereiten und darzustellen. An dieser -fehlenden- objektiven Aufarbeitung von Fakten krankt es meiner Meinung nach eh am allermeisten in den Unternehmen. Nur so können Dinge verbessert werden und nur so kann die Unzufriedenheit, über das „nicht verbessern offensichtlich schlechter Dinge“, abgestellt werden. Sich in-die-Tasche-lügen hat noch keinem langfristig genützt (wobei es bei einigen aber lange lange Zeit zu funktionieren scheint).

Ich muss zugeben, dass das oben geschriebene irgendwie frustriert, zynisch und depressiv klingt. Vielleicht trifft das auch alles auf mich zu. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich nicht nur an einer einseitigen, selektiven, „engstirnigen“ Wahrnehmung(-störung) leide sondern dass die Dinge wirklich „so sind“ und dass die Menschen zunehmend nur noch mit sich selbst und ihrem eigenen Vorteil beschäftigt sind. Das idealistische „Gemeinwohl“ hat selten Prio 1 – klar, die eigenen Rechnungen wollen bezahlt werden (= Prio 1). Aber dass man von den erzeugten Langzeiteffekten („verbessertes Gemeinwohl“) auch profitieren würde, erkennen die wenigsten.

Und natürlich kann man jetzt versuchen, im JETZT zu leben und die Dinge einfach ignorieren oder „als gegeben“ annehmen – mein Körper scheint aber einen gut funktionierenden Mechanismus zu haben, der all die unterbewusst aufgenommenen (oder in mir selbst erzeugten, who knows) Negativitäten in psychosomatisch bedingte Beschwerden umzuwandelt.

Ich bin aktuell echt nur noch müde, schlapp, leer und suche Abends gerne mein „Heil“ im Alkohol, da er ein zuverlässiges Arzneimittel ist, um meinen brummenden Kopf (und damit auch den Rest des Körpers) zu entbrummen. Gesund ist das sicher nicht – aber es entkrampft – gerade an Abenden, in denen ich komplett „ausgebrannt“ im Hotelzimmer liege und an die Decke starre.

Aber: Alles wird gut. Irgendwann.

Gruß vom Themensezierer

 

 

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